Montag, 15. Juli 2019
I can teach you but I have to charge
Samstag:
Und wieder einmal sitze ich mit Restalkohol im Zug und schreibe in meine Notizen.
Was gestern passiert ist, war überhaupt nicht geplant.
Toni, Nadja, Julia und ich wollten eigentlich bei mir vorglühen und dann feiern gehen. Dann meinte Nadja in einer Sprachnachricht, ob wir nicht in die WG von ihrem Freund gehen wollen. Ihr Freund - Jakob - ist zwar nicht da, aber sein Mitbewohner und dessen Freund, die sowieso zum Feiern mitkommen wollten.
Das war mir nur recht.
Also trafen wir uns um 21.00 Uhr und gingen dann zu deren WG. Die Jungs (Simon, der Mitbewohner und Luis, dessen Freund) standen draußen und rauchten, als wir ankamen.
Simon gab Nadja (die in dieser WG schon fast zu Hause war) den Schlüssel und Nadja gab mir erst mal eine kleine Wohnungstour.
Dann bauten wir Wodka- bzw. Weinpong auf. Ich wusste ganz genau, dass ich keinen Wein trinken sollte, weil ich davon leichte Filmrisse bekomme. Ich tat es trotzdem.
Ich spielte mit den Jungs gegen die restlichen Mädels. Wir verloren leider. :D
Danach spielten wir irgendwas anderes, ich kann mich nicht mehr an den Namen des Spiels erinnern, aber es war sehr stressig, weil man so schnell wie möglich den Ball in den Becher befördern musste. Die Strafe war ein Becher Wodka-Maracuja und ich wusste, dass es noch eine schlechtere Idee war, zu mischen.
Wie man sich denken kann tat ich es trotzdem. :D
Dann übernahmen Toni und ich die Kontrolle über die Musik und machten erstmal unsere Songs von den vergangen Semestern an: "Der Bibi und Tina Remix", "Heute kann es regnen" und "Der Riesenn*ger im Nieselregen". Alle waren verstört, aber genau deshalb feierten wir es umso mehr.
Danach tanzten wir überaus theatralisch zu "Mamma Mia" und "Super Trouper". Scheiße, wir hatten so viel Spaß. Wir haben wirklich Musicalpotential. :D
Danach spielten wir Busfahrer und ich beschloss wieder zum Wein zurückzukehren.
Das war auch ziemlich lustig.
Ich glaube, Toni ging dann und wir beschlossen uns irgendwann in Richtung Club aufzumachen.
Fuck, an den Hinweg kann ich mich fast gar nicht mehr erinnern, fällt mir gerade auf. Aber ich glaube, ich redete die ganze Zeit mit Simon. Wir verstanden uns echt gut und ich warnte ihn vor, dass dieser Abend kein gutes Ende nehmen würde, weil ich gemischt hatte.
Ich meine kurz einmal "We havin' better discussions" im Kopf gehabt zu haben.
Wir gingen in den Club und das erste, was Simon tat, war vier Shots zu kaufen. Er deute mir an, einen zu nehmen. Wir stießen an und kippen den Frangelico runter. Und ich wusste, dass das eine seeeehr dumme Idee war,
Ich dachte, die anderen wären hinter uns und würden auch Shots trinken. Aber Simon hatte diese für ihn und mich gekauft. Wir tranken die anderen beiden gleich hinterher.
Bin ich eigentlich lebensmüde? :D
Dann gingen wir zu den anderen auf die Tanzfläche. Es war ganz cool. Irgendwann musste ich auf die Toilette, fragte die Mädels, ob von ihnen auch jemand musste, was mit nein beantwortet wurde. Dann erkundigte ich mich bei Nadja noch nach dem Weg, weil dies ihr Stammclub ist und ich vielleicht zwei Mal dort war - und es nie gut fand.
Dann machte ich mich auf den Weg. Als ich aus der Haupttür herauskam und wieder zu den Anderen auf die Tanzfläche gehen wollte, kam Simon mir plötzlich entgegen. Fragt mich nicht, wie das passiert ist: Wir haben ein paar Worte gewechselt (ich hab keine Ahnung mehr welche) und plötzlich küsste er mich. Ich war überrascht, aber ich war dabei. Er war schon ganz süß. Groß, gute Figur, schöne Haare.
Nadja hatte uns zuvor erzählt, dass er erst seit drei Wochen von seiner ewigen On-Off-Beziehung getrennt war und es ihm deshalb ziemlich scheiße ging. Deswegen wollte er auch unbedingt feiern gehen.
In der Sprachnachricht, die Nadja mir geschickt hatte, sagte sie wortwörtlich:"Ich finde irgendwie, dass er voll gut zu dir passen würde."
Mir war klar, dass ich sein Trostpflaster war, was okay für mich war. Wir benutzen uns alle gegenseitig.
Im Nachhinein wird mir natürlich auch klar, dass er mir abfüllen wollte. Erfolgreich. D
Wir knutschten ewig rum. Er drückte mich gegen die Wand hinter mir - scheinbar gar nicht so sanft, weil ich heute Morgen eine Beule am Hinterkopf bemerkte. Wir tanzten auch. Ich hab jegliches Zeitgefühl verloren.
Irgendwann gingen wir raus, weil Luis ihn suchte. Wir fanden sie nicht, weshalb wir auf die Tanzfläche zurückgingen. Dort tanzten die drei und wirkten nicht mehr ganz so motiviert. Ich hatte keine Ahnung, wie lange Simon und ich weg gewesen waren. Ich ging noch ein bisschen zu "Milkshake" ab, dann wollte Nadja gehen. Wenn ich nicht damit gerechnet hätte, wäre ich enttäuscht gewesen. Es fühlte sich so an, als ob wir nur eine dreiviertel Stunde im Club waren.
Simon meinte später, dass es zweieinhalb Stunden waren, aber ich glaube, das kommt zeitlich nicht hin.
Wir gingen die große Straße entlang, weil die Anderen noch zu Mc Donald's wollten.
Simon und ich ließen uns ein wenig zurückfallen und redeten. Er fragte, ob mein Pegel noch ging oder ob er mich tragen musste. Ich war zwar auf einer 8,5, aber es ging mir noch gut.
Er meinte, er wäre auf einer 5 oder 6 und dass er nicht glauben konnte, dass ich auf einer 8,5 war, weil es mir scheinbar noch sehr gut ging und ich mich noch gut ausdrücken konnte.
Mein Problem ist nicht, dass ich mich nicht mehr gut ausdrücken kann. Mein Problem ist, dass ich einfach anfange Scheiße zu labern. :D
Und ich verlor keine Zeit und fing direkt damit an. Ich glaube, es ging um Polizisten und Schlagstöcke. :D
Da die Anderen irgendwann ziemlich weit vor uns waren, befanden sie sich auf in der Schlange bei Mc Donald's schon an der Kasse, als wir uns hinten anstellten. Simon küsste mich ein paar Mal, was mir eigentlich vor so vielen Leuten unangenehm wäre, aber mit meinem Pegel gab es das Wort "unangenehm" nicht mehr.
Luis holte uns dann zu sich nach vorne in die Schlange. Die anderen besteltten sich ganze Menüs, ich wollte nur einen Cheeseburger, Wir setzten uns nach draußen uns aßen. Da Nadja, Julia und Luis schon saßen und bei ihnen kein Platz mehr frei war, saßen Simon und ich uns ein Stück weg von ihnen auf die nächsten Stühle. Wir redeten ziemlich viel - aber ich hab keine Ahnung mehr worüber.
Als Nadja und Julia fertig waren, wollten sie endgültig heim und fragten, ob wir mit woltten. Da wir alle den selben Weg hatten, folgten wir den beiden zur Straßenbahn. Ich fragte Simon, ob ich noch in deren WG-Küche chillen durfte, bis die U-Bahnen fuhren, da ich mit der Straßenbahn ewig unterwegs sein würde.
Simon:"Klar! Du musst auch nicht in der Küche bleiben, du kannst es dir gemütlich machen."
Wir fuhren wieder in die WG. Nadja und Julia verschwanden ziemlich schnell in Jakobs ZImmer. Ich blieb erst noch in der Küche, trank Wasser und redete mit Simon.
Dann meinte er, wir sollten in sien Zimmer gehen, was wir auch taten. Ich setzte mich mit meinem Wasserglas auf die Couch, woraufhin er kommentierte, dass das nicht sehr bequen aussähe.
Dennoch setzte er sich zu mir und wir redeten wieder ein bisschen.
Irgendwann meinte er, ich solle mich doch auf's Bett setzen, das wäre viel bequemer. Ich fragte sicherheitshalber nochmal nach, ob es wirklich okay wäre, wenn ich mich mit meinen Feierklamotten auf sein Bett legen würde. Er bejahte das und ich tat dem Folge, weil inzwischen wirklich müde war.
Er legte sich neben mich und wir redeten noch eine ganze Weile. Ich meine mich daran erinnern zu können, dass wir über die Vor- und Nachteile von Alexa geredet haben. Er beauftrage diese nämlich damit, sein Zimmer in ein rotes Licht zu tauchen. Der Kerl weiß wie man es machen muss. :D Irgendwann fing ich an Alexa Britney zu nennen, weil sie wirklich jedes Mal sofort reagierte, egal wie leise ich ihren Namen sagte. :D Die Bitch. :D Von eher lustigen und unbeschwerten Themen, kam er plötzlich auf ernstere zu sprechen. Nicht zu ernst, aber es waren trotzdem Dinge, die ich niemandem erzählen würde, den ich nicht kannte. Aber gut, er hat ja auch einiges getrunken und ich will gar nicht wissen, was ich ihm alles erzählt hab. :D
Ich hatte das Gefühl, dass er jemanden zum Reden brauchte. Vielleicht täuschte ich mich auch und er ist generell ein Mensch, der ein großes Redebedürfnis hat. Er erzählte von seiner Heimatstadt, seinen Eltern, seiner Vergangenheit. Ich gab zwar meinen Senf dazu, aber hauptsächlich redete er. Ich weiß noch wie ich dachte "Er ist wirklich nicht wie Clint Eastwood" (Stichwort: Only talks when he's got something to say), dann schlief ich mitten im Gespräch ein. Ich war wirklich müde.
Ich wachte ungefähr eineinhalb Stunden später wieder auf. Fuck, ich hatte noch einiges an Restalkohol intus und ich war dementsprechend fertig. Er war auch wach und wir fingen wieder an zu reden. Ich fragte, ob ich ihm im Schlaf die Decke weggezogen hätte, was er verneinte. Er lachte kurz darüber, wie ich mitten im Gespräch eingeschlafen war. Meine Güte, hab ich viel Müll geredet. :D
Er:"Ich hätte gern ein Vorzeigekind und ein Absturzkind, nur zu meiner Belustigung."
Ich:"Ich übernehm die Vater- und die Mutterrolle gleichzeitig und dann haben meine Kinder eine Persönlichkeitsstörung."
Wow, einfach nur wow. :D
Glücklicherweise hat er auch nicht nur intelligente Sachen von sich, weshalb es mir im Nachhinein nicht ganz so unangenehm ist. Ich muss auch tatsächlich sagen, dass er einen sehr guten Humor hat. Ziemlich sarkastisch.
Ich beschloss ins Bad zu gehen und mich der Situation zu stellen. Es war sehr viel besser als erwartet. Dennoch wusch ich mein Gesicht mit Wasser und trank ein wenig.
Als ich wieder in sein Zimmer ging, war er wie ein Burrito in die Decke eingewickelt und meinte, er würde mir erst etwas davon abgeben, wenn ich meine Hose ausziehen würde. Er hatte davor schon versucht mich zu überzeugen, dass ich das tun sollte, mir war das aber viel zu anstrengend.
Ich versuchte erst an der Decke zu ziehen, dann war es mir zu blöd. :D Mir war richtig kalt, das Fenster war auf und draußen schüttete es wie aus Eimern. Ich zog meine Hose aus und ächzte theatralisch, um ihm zu verdeutlichen, wie anstrengend das war. :D
Wie versprochen gab er mir wieder einen Teil von der Decke. Mir war natürlich bewusst, weshalb er meine Hose los werden wollte, aber ich hielt ihn davon ab. Ich war nicht bereit. Wir redeten noch eine Weile, knutschten, dann fing er an meinen Hals zu küssen.
Ich:"Uh, Hals ist ganz gefährlich."
Er:"Echt?" und küsste weiter meinen Hals.
Natürlich machte er mir es damit nicht leicht, aber ich blieb standhaft.
Irgendwann wollte ich mich dann auch auf den Weg machen. Als ich aufstehen wollte, hielt er mich davon ab und küsste wieder meinen Hals. Das hätte ich ihm nicht sagen dürfen. :D
Ich:"Soll ich dich mal foltern?"
Er grinste herausfordernd und antwortete:"Mach doch."
Er hatte sich mit der Falschen angelegt.
Ich setzte mich rittlings auf ihn und küsste seinen Hals.
Erfolgreich.
Wir machten noch ein wenig rum, redeten.
Plötzlich fragte er:"Wollen wir das mit dem Sex nachholen?"
Ich wusste nicht, ob ich es cool oder frech finden sollte, dass er so direkt fragte.
Ich:"Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Wegen Nadja und so. Ich will nicht zwischen irgendeine Freundschaft grätschen."
Er meinte sarkastisch auf ihn und mich bezogen:"Stimmt, wir sind schon so lange befreundet."
Ich lachte, sprang auf den Zug auf und sagte:"Ja, wir kennen uns jetzt echt lange. Das sollten wir nicht auf's Spiel setzen."
Wir diskutierten noch ein wenig, ich blieb aber dabei, dass ich mich noch nicht festlegen wollte. Ich rechnete damit, dass Nadja mich löchern würde. Andererseits konnte ich mir auch vorstellen, dass sie es vielleicht nicht so gut fände, wenn wir das hier fortsetzen.
Irgendwie kamen wir auf das Verliebtsein zu sprechen und ich vertrat meinen Standpunkt, dass man sich einreden konnte, ob man verliebt ist oder nicht. Er schien nicht überzeugt zu sein und auch da merkte ich, dass seine Trennung ihn definitiv noch beschäftigte.
Ich tippte auf seinen Bauch (übrigens fand ich seinen Körper echt anziehend) und fragte:"Weißt du, was Bauchkribbeln eigentlich ist?"
Er:"Was?"
Ich:"Das sind Darmrhythmusstörungen, die aufgrund von Hormonüberschüssen auftreten."
Er fing schallend an zu lachen.
Er fragte, ob ich ihm meine Nummer geben würde. Ich zierte mich ein wenig, weil ich mir immer noch nicht sicher war, ob das eine kluge Idee wäre. Dann meinte er, er würde mir seine Nummer geben, woraufhin ich erwiderte, dass ich ihm nicht schreiben würde, weil ich ein Passivjäger wäre. Er meinte, man müsse auch mal aus seiner Komfortzone herauskommen, weshalb ich ihm vom letzten Mal erzählte, als ich diese verlassen hatte und aktiv jemanden gejagt hatte. :D
Wir diskutierten noch ein wenig weiter, dann musste ich wirklich gehen.
Ich zog meine Hose wieder an, nahm meine Tasche und ging aus dem Zimmer.
Im Flur zog ich vor Jakobs Türe (in dessen Zimmer Nadja und Julia schliefen) meine Schuhe an. Ich sagte:"Also dann, Muchacho", woraufhin er grinste. Ich wollte Simon zum Abschied eine Umarmung geben. Er wehrte diese ab und zog mich zu einem Kuss ran. Wir machten noch ein wenig rum und ich bin mir ziemlich sicher, dass Nadja und Julia das gehört haben. :D
Ich ging zur U-Bahn, fuhr nach Hause, aß trank und packte meine Sachen.
Wenn ich nur geahnt hätte, was mich erwarten würde. Entgegen meiner Erwartungen kam von Nadja gar nichts. Dafür fragte Toni nach, was gestern passiert wäre. Ich erzählte es ihr, woraufhin sie meinte Nadja hätte so getan, als wäre weiß Gott was passiert.
Ich hakte ein wenig nach und erfuhr, dass Nadja Toni schon im Club geschrieben hätte, dass Simon und ich rummachen würden. Scheinbar hat sie das ein wenig abfällig geschrieben und meinte, dass sie das nicht cool fände.
Dann schickte sie Toni noch eine Sprachnachricht, in der sie das Ganze ein wenig überdramatisierte (typisch Nadja) und auch nicht allzu nett über mich redete.
Zuerst war ich eine Mischung aus überrascht und schokiert. Warum war sie so dagegen? Rein rational betrachtet geht sie das Ganze nichts an. Er war/ist nicht ihr Freund oder ein Typ auf den sie steht/stand und ich ebenso wenig. Hatte sie Angst, dass ich ihn verletzen würde, nachdem er gerade ein Unschönes Beziehungsaus hinter sich gebracht hatte?
Ich fragte Toni, die mit Nadja besser befreundet ist. Ich grübelte ewig darüber nach, welchen Grund sie haben könnte. Toni analysierte das Ganze so: Nadja mag Simon wirklich sehr. Natürlich ist sie mit Jakob zusammen und daran wird sich auch erst mal nichts ändern. Aber in einem Paralleluniversum ist Simon auf jeden Fall ein Typ, den Nadja gut findet. Nadja ist außerdem jemand, der die Aufmerksamkeit von Typen braucht. Und scheinbar hat sie Angst, dass ich ihr den Platz in dieser Clique streitig machen könnte. Das Selbe war damals auch bei Julia der Fall, weshalb Nadja sie echt sehr ausgegrenzt hat.
Über ein paar Ecken (und weil ich Nadja kenne) konnte ich es nachvollziehen. Allerdings will ich nicht Teil dieser Clique sein. Ich brauch deren Aufmerksamkeit nicht und ich will ihr auf gar keinen Fall irgendwas streitig machen. Ich war erst ein bisschen enttäuscht von ihr. Ich konnte nicht verstehen, warum sie nicht einfach zu mir kommt, wenn sie ein Problem hat. Man kann auf jeden Fall mit mir reden und ich würde nie irgendwas tun, um sie absichtlich zu verletzen. Es sollte mich nicht überraschen, weil Nadja kein Typ ist, der die offene Konfrontation sucht. Stattdessen lästert sie dann hinter dem Rücken von Anderen.
Ich überlegte ewig lange, wie ich es ihr recht machen könnte. Ich war kurz davor, den Kontakt zu Simon komplett abzubrechen, aber Toni hielt mich davon ab. Sie trifft sich heute mit ihr und dann forscht sie nochmal nach, was genau ihr Problem ist. Auch sie ist der Meinung, dass Nadja das eigentlich nichts angeht und sie findet es schade, dass sie mir das Ganze jetzt so madig macht.
Was mich eher stört, ist, dass ich mich dazu bringen lasse, mich zu rechtfertigen. Ich schickte sowohl Nadja als auch Julia eine Sprachnachricht, in der ich die Situation erklärte (dass es von ihm ausging, nicht geplant war und dass ich nicht mit ihm geschlafen habe) und mich dafür entschuldigte, falls ich sie in eine unangenehme Situation gebracht haben sollte. Nadja meinte, dass alles gut sei. Julia auch, aber bei ihr klang es wesentlich überzeugender. Mehr kann ich erst einmal nicht machen. Wenn sie nicht sagt, was ihr Problem ist, obwohl ich sie sogar darauf anspreche...
Offiziell weiß ich ja nichts von ihren bösen Worten, weil Toni mir das im Vertrauen erzählt hat.
Ich bin froh, dass sie es getan hat. So weiß ich, woran ich bin und kann unter Umständen auch auf Nadjas Gefühle Rücksicht nehmen.
Hätte ich es nicht gewusst, hätte ich weitergemacht wie immer, weil es absolut fernliegend für mich war, dass jemand damit ein Problem haben könnte.
Ich versuche momentan auf Situationen nicht mit Emotionen, sondern mit Rationalität zu reagieren. Und ich realisierte, dass nicht ich das Problem war. Es war Nadja. Bzw. ihr Mangel an Selbstliebe. Würde sie sich selbst mehr lieben, wäre sie nicht immer so eifersüchtig auf andere Mädchen. Sie würde sich nicht mit ihnen vergleichen, nicht dermaßen über sie lästern und hätte Frieden in ihrem Herzen. Nadja ist eine wunderschöne Frau - ein Model um genau zu sein - aber an ihrer inneren Zufriedenheit muss sie wirklich arbeiten. Deshalb betete ich erstmal für ihr Selbstwertgefühl.
Ich habe kein Problem mit ihr, ich mag sie noch genauso wie vorher. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen das Allerbeste, insbesondere hoffe ich, dass sie realisiert, was für ein tolles Mädchen sie ist.
Ich telefonierte noch mit Toni, die mich noch ein wenig mehr über die Situation aufklärte. Dann hörte ich "You need to calm down", weil einfach nichts gerade besser in meine Situation passte.
"Why are you mad when you could be glad?"
"Say it in the streets, that's a knock-out"
"I've learned a lesson that stressin' and obsessin' 'bout somebody else is no fun"
"Snakes and stones never broke my bones"
"But you would rather be in the dark age"
"WE ALL GOT CROWNS!"
Ich hörte es um die 15 Mal, dann ging ich ins Bett, weil ich wirklich müde war. Obwohl ich nachdenklich war, schlief ich mit Frieden in meinem Herzen ein.
Das Update zur aktuellen Situation kommt so bald wie möglich.

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